Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren

By | July 21, 2018
Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren

Der neue Roman von Antonia Baum: Schnelle Autos, Schutzgelderpressung, Schrottplätze – und die große Liebe dreier Kinder zu ihrem verrückten Vater.

Johnny, Clint und Romy wachsen bei ihrem Vater auf, der sich weder für bürgerliche Konventionen noch Gesetze interessiert. Theodor war in keinerlei Hinsicht Vater und dennoch hat er seine Kinder auf seine Art großgezogen.
Als Romy und Clint ihren 25. Geburtstag feiern und der Vater nicht auftaucht, bekommen es die drei Geschwister mit der Angst zu tun. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach ihrem Vater, den sie ebenso verehren wie verfluchen. In einer Nacht voller Erinnerungen, Drogen, Alkohol und das Warten auf ihren Vater erleben sich die drei Geschwister einmal mehr als Schicksalsgemeinschaft und setzen dabei auch ihr Leben aufs Spiel.

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3 thoughts on “Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren

  1. Christian Döring
    3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    4.0 von 5 Sternen
    Schrottplatz-Generation, 29. Juli 2015
    Dieses Buch legt sicher niemand ungelesen wieder weg. Sprache und passende Wortwahl, Witz und Tragik hat Antonia Baum wundervoll zu einem literarischen Kunstwerk zusammengefügt, dem man sich nur schwerlich entziehen kann.

    Gleich in mehrfacher Hinsicht schreibt die Autorin hier gegen Klischees an. Es sind nicht nur die Menschen “ganz unten” die ihre Kinder vernachlässigen. Hier beispielsweise ist der alleinerziehende Vater immerhin Arzt! Aber was, wenn in einer Gesellschaft alles möglich scheint, nicht einmal mehr gedachte Grenzen eingehalten werden?

    Die Kinder wachsen unter schlimmsten Bedingungen auf, zwei Jungen und ein Mädchen. Dieses allerdings nimmt die vielleicht beste Entwicklung und tritt auch als Ich-Erzählerin auf. Die Autorin schafft hier eine positive Heldin. Ist auf starke Frauen Verlass?

    Gesellschaftskritisch ist diese Story allemal. Antonia Baum zeigt Leben in Deutschland, wie es auch sein kann. Aber eine von der Autorin entworfene Vision, diesem geschilderten Aufwachsen zu begegnen, fand ich in dieser Story nicht. Antonia Baum begnügt sich mit der Darstellung des Ist-Zustandes, was ihr Werk keineswegs schmälert.

    Bleibt zu bedenken, was für Menschen aus so einem Erleben der ersten Lebensjahre werden. Sind sie es die in Zukunft unser Land zusammenhalten? Das Buch wird garantiert seine Leser finden und Antonia Baum sollte schleunigst damit beginnen einen zweiten Teil zu schreiben. Vor allem den Lebensweg der Kinder, die hier so meisterhaft dargestellt wurden, würde ich sehr gern weiterverfolgen.

  2. Gunnar Kaiser
    10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    2.0 von 5 Sternen
    Nicht ganz vollkommen leblos, 16. Oktober 2015

    Mit Pop-Literatur ist es wie mit gutem Wein: Wenn man sie aufmacht und dann stehen lässt, wird sie schon nach geringer Zeit ungenießbar. Beim Wein liegt es am Sauerstoff, bei Pop-Romanen ist es die Erwartungshaltung, die den Genuss zu einer Mutprobe werden lässt. Frisch, gleich nach dem Öffnen genossen, mag auch der Roman von Antonia Baum mit dem Titel “Ich wuchs auf einem Schrottplatz auf, wo ich lernte, mich von Radkappen und Stoßstangen zu ernähren” für rote Wangen und Schwindelgefühle sorgen. Gleich nach dem Öffnen und vor allem ohne allzu hohe Erwartungen. Wenn man das Buch allerdings nach Wochen erneut liest, kann die unangenehm vergorene Ambitioniertheit, der man Seite auf Seite begegnet, schon mal für Überdruss, ja Widerwillen sorgen. Und für Kopfschmerzen im Nachhinein.

    Das liegt vor allem an der Anbiederung, überhaupt einen Pop-Roman zu schreiben. Natürlich sind das alles Labels, und die werden einem Kunstwerk ja meist von anderen aufgeklebt; sie haben mit der eigentlichen Kunst oft gar nichts zu tun, sondern verstellen dem Betrachter (oder der Betrachterin) nur zu häufig den Blick. Wer seinem (oder ihrem) Roman allerdings einen Titel gibt / geben lässt, der so stark nach Sound schmeckt (laut Vorbemerkung ein abgewandeltes Zitat irgendeiner “Rap-Crew”), bestimmt freilich selber schon zur Genüge die Art und Weise, in der man das Ganze zu genießen hat.

    Mit literarischem Sound ist es oft wie mit den Zombies bei Walking Dead. Am Anfang wirkt er interessant und sorgt für Wiedererkennung, dann langweilt er, irgendwann ist er nur noch nervig. Und das sogar, wenn er originell ist. Baums Sound ist nicht originell, das macht es aber auch nicht besser. Seine stilistische Schlichtheit (der Perspektive der zumeist neunjährigen Erzählerin geschuldet) ist ermüdend. Sie kennen ihn wahrscheinlich aus Büchern wie Soloalbum oder Relax: Präsens, Parataxe, Umgangssprache, hier und da ein ausgefallenes sprachliches Bild, hier und da ein Anglizismus, ansonsten: Dialog. Und ein ausgefallener Titel, damit Spiegel-Literaturkritiker dann das Label “Rap auf Romanlänge” draufkleben können. Wenn das im 21. Jahrhundert noch faszinieren mag … meinetwegen. Ich aber sage euch: Dieser Sound wird beim zweiten Hören nicht besser.

    Wen Sound nicht stört, wer ihn überlesen kann, dem mag die Geschichte, dem mögen ihre Figuren und deren ach so unalltäglicher Alltag durchaus zusagen. Natürlich ist das, was da erzählt wird, alles andere als “authentisch”, geschweige denn realistisch. Es ist konstruiert und das merkt man. Auch das wäre ja nicht das Schlimmste, gäbe es da nicht diesen Gestus des “Greift nur hinein ins volle Menschenleben!”, mit dem derartige Werke überzeugen wollen, ja müssen.

    Wer von einer Familie aus einem sozialen Brennpunkt erzählt, behauptet: “Seht her, so war’s, ich erzähle von dem echten Leben, nicht von herbeifantasierten Kunstfiguren, wie es die altbackenen Schriftstellerinnen und Schriftsteller tun. Es ist aus dem Leben, weil es so anders ist als alles, was ihr so kennt und für normal haltet.” Ein Text, der das behauptet, sollte Wert auf Plausibilität legen. Er sollte einer Neunjährigen keine Wörter wie “quasi” in den Mund legen, wenn sie das Wort “Deeskalation” kennt – auch nicht aus der Nacherzählung. Er sollte eine Geschichte zu erzählen haben, die über die gesamte Länge der Erzählung trägt, und das sind hier 400 Seiten! So viel sei verraten: Sie trägt nicht, die Geschichte von Romy, ihrem “verrückten” Vater Theodor (Arzt, Künstler, Kleinganove) und ihren beiden Geschwistern. Für Rasanz fehlt ein nachvollziehbarer Konflikt, der über das Schlimme-Kindheit-Motiv hinausgeht. Dabei steckt für solche Zwecke in diesem Bericht einer Kindheit in prekären Verhältnissen Potential. Berlin kommt vor, das Jugendamt, ein Wettbüro, Drogen, und eben ein Schrottplatzwohnzimmer. Sogar eine zweite Erzählebene im Schlussteil, wo Romy 25 ist und zusammen mit ihren Geschwistern einen Unfall baut. Der Vater taucht zu ihrem Geburtstag nicht auf, so einer ist er und war er immer gewesen, und trotzdem lieben ihn die drei Kinder und sind groß geworden. Ist das eine Erkenntnis, die am Schluss des Buches bleibt?
    Doch das Setting bleibt bemüht skurril und die Figuren blass, austauschbar, zu distanziert. Wenn der Konflikt nicht im Vordergrund stehen soll und die Sprache es nicht kann, dann müssten schon die Figuren Identifikation, zumindest ein gewisses Mitempfinden ermöglichen. Die Erzählerin Romy wäre eigentlich eine Kandidatin dafür, altklug und verletzlich, trotzig und hoffnungsvoll zugleich. Aber sie ist zu sehr Marionette für das Anliegen, im Gepäck des Romans eine Sozialstudie aus Prekaristan mitzuschleppen, so wie der Vater zu sehr Typ Lebenskünstler ist, als das man Mitleid mit oder Hass auf ihn haben könnte. Die Nebenfiguren sind verschwunden, ehe man sie besser kennenlernen konnte. Es ist, um den auch schon…

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  3. Almut Langbein
    0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    5.0 von 5 Sternen
    Wie die Erlebnisse der KIndheit das Leben bestimmen!!, 9. August 2015
    Verifizierter Kauf(Was ist das?)
    Ich bin beeindruckt, wie die Autorin nachempfindet, wie die Kinder ihr chaotisch Leben ertragen- alles ist für sie ganz normal …
    und sie werden ihr ERwachsenenleben ebenfalls chaotisch führen– geschickt werden im Buch die Erzählperspektiven der KInder-und der
    Erwachsenenwelt abgewechselt-

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